Wenn man Mitglied einer Partei ist, kann es schon durchaus vorkommen, dass man einen anderen Blick auf die Realität bekommt. Beim Europawahlkampf etwa war ich, auch wegen des Parteitagsbesuchs, schon ziemlich motiviert.
Es war eine Art der Abgehobenheit. Eine Entfremdung mit dem, was wirklich geschieht. Wenn man an einem Info-Stand Passanten Flyer mitgibt und denkt, deren Entscheidung elementar beeinflusst zu haben, so ist das ein Trugschluss. Ein netter zwar, hält er doch die Bereitschaft aufrecht, zu “wahlkämpfen”, aber im Endeffekt ein Trugschluss.
Knapp einen Monat vor der Wahl warte ich darauf, dass sich dieses Gefühl langsam wieder einschleicht. Dass es Äußerungen des Gegners gibt, die man verachtenswert findet. Dass man im Freundeskreis mal über Politik diskutiert. Doch das alles fehlt. Der Bundestagswahlkampf 2009 schickt sich an, der für mich uninteressanteste und lahmste zu werden, den ich je erlebt habe. Mit dieser Einschätzung stehe ich anscheinend nicht allein auf weiter Flur. Der Chefredakteur vom ZDF etwa sieht das genauso #mce_temp_url#. Tröstend ist das nicht. Es ist nicht etwa mein Interesse, oder das der Bürger im Allgemeinen. Es ist bei mir in erster Linie das Gefühl, die Politiker bemühen sich nicht um das Volk. In meinem Bundesland, Schleswig-Holstein, gibt es sogar gleich zwei Wahlen. Doch von einem Kampf der Ideen ist wenig zu erkennen. Hier und dort ein Plakat- doch große Kampagnen sind weit weg.
Viel wurde davon geredet, die deutsche Politik wolle sich viel von Obama abschauen, in Sachen Wahlkampf. Hat der einen Monat vor der Wahl sich förmlich weggeduckt?
Die politischen Strukturen sind starr. Das ist nichts neues. Das jetzt jedoch auch die politische Kommunikation zu erstarren droht, schon.